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WAZ-Autopilot - Zwischen zwei Welten

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Liebe Leserinnen und Leser,

digital und elektrisch: So sieht die Zukunft von Volkswagen aus. Auf dem Weg dahin purzelten jetzt gleich zwei Meilensteine. In Salzgitter brachte die Komponente von VW die konzernweit erste Anlage zum Recycling von E-Auto-Batterien an den Start. Im Pilotprojekt werden ab sofort alte Batterien zermahlen, um die so gewonnenen Rohstoffe zur Herstellung neuer Zellen nutzen zu können. Ein extrem wichtiger Schritt, um einerseits auf einem immer größeren Markt die Abhängigkeit von den seltenen Rohstoffen zu verringern und dadurch andererseits auch noch mehr Nachhaltigkeit in die Elektromobilität zu bringen. Das Ziel des geschlossenen Kreislaufs rückt damit immer näher, und VW nimmt die Kontrolle darüber stärker selbst in die Hand, wodurch als netter Nebeneffekt auch noch zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen.

Die Arbeitsplätze, die das “neue” VW allerdings künftig anbieten wird, sehen deutlich anders aus als bisher. Damit rückt auch eine andere Klientel in den Fokus des Unternehmens. Doch die Digitalexperten sind ein ebenso seltenes Gut wie Kobalt und Co. für die Batterien. Mit einem zukunftsweisenden Tarifvertrag für die Car.Software-Organisation - dem zweiten Meilenstein - will VW seine Position im Kampf um die klügsten Software-Köpfe verbessern. Der Vertrag gilt schon jetzt als Leuchtturm in der bisher kaum gewerkschaftlich organisierten IT-Branche. Den Mitarbeitern wird einerseits die für die Branche übliche Flexibilität garantiert werden, gleichzeitig aber erhalten sie die für VW-typischen Benefits - allen voran Mitbestimmung und Schutz.

Die Verhandlungen zwischen VW und IG Metall liefen dabei zwar lange, aber in stiller Harmonie. Und genau daran zeigt sich auch erneut, wo künftig die Prioritäten liegen. Denn während VW für die Software-Organisation zu allerlei Zugeständnissen bereit ist, um die Attraktivität für Fachkräfte zu steigern, laufen die Verhandlungen über einen neuen Haustarifvertrag in der “alten” Arbeitswelt alles andere als harmonisch. Die bisher konsequente Ablehnung einer Lohnerhöhung um 4 Prozent mag angesichts der Corona-Krise vielleicht noch schlüssig sein, dass man sich aber auch einer Forderung ohne Mehrkosten - wie die Ausweitung der Umwandlungsoption der tariflichen Zusatzvergütung in zusätzliche freie Tage - bisher strikt verweigert, sorgt bei Gewerkschaft und Betriebsrat für Kopfschütteln. Die Arbeitnehmervertreter zeigen sich nach der zweiten Gesprächsrunde tief enttäuscht vom Verhandlungspartner. Wie ein Arbeitskampf in Corona-Zeiten aussieht, kann man womöglich also bald in der Praxis beobachten. Das Ende der Friedensfrist rückt jedenfalls immer näher.

Ein weiterer Streitpunkt bei den Tarifverhandlungen ist das Thema Ausbildung. Die IG Metall fordert eine Garantie der bisherigen Ausbildungsplätze für die nächsten zehn Jahre. Auch die blieb bisher aus. Zwar betont VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel, dass man weiter “bedarfs- und zukunftsgerecht” ausbilden wolle, was das aber genau heißt, bleibt offen und lässt Raum für Spekulationen. Die Zeichen scheinen jedenfalls auch auf diesem Gebiet auf einen Paradigmenwechsel zu deuten. Digitalisierung und E-Mobilität hinterlassen auch beim Thema Ausbildung ihre Spuren. Zwar richtet VW auch die Inhalte der Berufsausbildung neu aus, aber ob in Zeiten des Personal- und Kostenabbaus weiter jährlich weit über 100 Nachwuchskräfte mit Übernahmegarantie ausgebildet werden müssen, scheint zumindest wohl aus Unternehmenssicht immer fraglicher.

Stattdessen setzt man auch hier auf andere neue Konzepte. Wie die Fakultät 73 oder die Software-Schmiede “42 Wolfsburg”, die von VW finanziert wird. Die Ausbildung dort läuft zwar erst in Kürze an, was die Fachkräfte der Zukunft für die Aufgaben der Zukunft mitbringen müssen, kann man dort aber schon bei regelmäßigen Schnupperabenden und bald auch ersten Workshops miterleben. Quasi ein Fenster in die Arbeitswelt von morgen.

Gute Fahrt wünscht Ihnen

Steffen Schmidt

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