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WAZ-Autopilot - Volkswagens Elektro-Offensive hat endgültig gezündet

WAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als NewsletterWAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als Newsletter
WAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als Newsletter
Liebe Leserinnen und Leser,
in wenigen Tagen übergibt Volkswagen mit dem Elektro-SUV ID.4 den großen neuen Hoffnungsträger erstmals ins Kundenhand. Satte 150 000 Modelle plant Volkswagen von dem zweiten Modell der vollelektrischen ID-Familie in diesem Jahr noch rund um den Globus zu verkaufen. Selbst WAZ-Redakteur Carsten Bischof, ein eingefleischter Verbrenner-Freund und automobiler Traditionalist, machte der ID.4 bei einer exklusiven Probe-Fahrt kurz vor Auslieferungsstart Lust auf die Elektromobilität - besonders auch im Vergleich zu den Wurzeln dieser Antriebstechnik. Denn auch einen VW Elektro-Bus aus den 70er Jahren durfte Bischof fahren.
Mit der Elektromobilität von damals hat der ID.4 freilich nicht mehr viel gemeinsam. Auch gegenüber den ersten Chargen des kleinen Bruders ID.3 hat VW beim “elektrischen Weltauto”, wie Marken-Chef Ralf Brandstätter den ID.4 gerne nennt, noch einmal eine Schippe draufgelegt. Denn der ID.4 wird von Start weg mit deutlichen Software-Vorteilen starten. Hier hat VW aus den durchaus problematischen Anläufen des ID.3 und des Golf gelernt. Sogar Updates “over the air” sollen schon in Kürze möglich sein.
Mit dieser Funktion zündet VW dann auch die erste Stufe des sogenannten “Geschäftsmodell 2.0”. Mit “on demand” buchbaren Zusatzfunktionen will der Autobauer künftig nicht nur beim Verkauf der Autos Profit schlagen sondern über die gesamte Nutzungsdauer des Fahrzeugs hinweg. Zu den neuen Erlösquellen, die VW erschließen will, gehört zudem ab Sommer auch ein Abo-Modell in sechs deutschen Städten.
Der rasante Fortschritt bei der E-Mobilität, die neuen Geschäftsmodelle und die Pläne in Sachen Software haben mittlerweile auch die ansonsten oftmals VW-kritischen Analysten an der Börse überzeugt. Im Zuge der großen Strategieankündigungen Volkswagens am “Power Day” und bei den Jahrespressekonferenzen legte der Aktienkurs eine unglaubliche Rallye hin und schoss in ungeahnte Höhen. Der Börsenwert des Volkswagen-Konzerns überflügelte sogar den von SAP. Volkswagen avancierte dadurch zum wertvollsten deutschen Unternehmen.
Dazu beigetragen, haben bestimmt auch die angesichts der Corona-Krise doch starken Geschäftsberichte. Dank einer fulminanten Aufholjagd schaffte es sogar die Kernmarke, bei der zur Halbzeit des Jahres 2020 noch ein Milliardenverlust stand, noch in die schwarzen Zahlen. Das zeugt von Robustheit und stimmt das Management für das laufende Jahr optimistisch. Auslieferungen und Umsatz, so die Prognose der Unternehmensführung, werden wieder deutlich anziehen - immer vorausgesetzt, die Corona-Lage verschärft sich nicht dramatisch. Denn mit dem Halbleiter-Mangel hat der Autobauer schon genug zu kämpfen. In dieser Woche etwa muss erneut die Tiguan-Produktion im Stammwerk ruhen.
Ob auch die Beschäftigten ein Stück vom Kuchen abbekommen, wird sich dann vielleicht schon heute zeigen. Denn just in diesem Moment läuft die nächste Verhandlungsrunde um einen neuen Tarifvertrag bei Volkswagen. Bisher zeigten sich Volkswagen und auch die anderen Arbeitgeber der Branche unerbittlich und blockten die Forderungen der IG Metall konsequent ab. Gibt es nun nach mehreren Wochen der Warnstreiks doch eine Annäherung?
Spannend ist vor diesem Hintergrund vor allem auch die Frage der Ausbildung. Denn anhand der Weigerung Volkswagens, eine Garantie für den bisherigen Ausbildungsstandard zu geben, zeigt sich, dass die Transformation wohl auch vor diesem Thema nicht halt macht. Wo die VW-Zukunftspläne also gerade für viel Licht sorgen, werfen sie doch leider in Sachen Beschäftigung auch weiterhin Schatten.
Gute Fahrt wünscht Ihnen
Steffen Schmidt

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