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WAZ-Autopilot: Stürmische Zeiten bei Volkswagen

Liebe Leserinnen und Leser, es sind stürmische Zeiten für VW: Herbert Diess gibt die Verantwortung
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Liebe Leserinnen und Leser,

es sind stürmische Zeiten für VW: Herbert Diess gibt die Verantwortung für die Kernmarke ab, bleibt aber Konzernchef. Sein Nachfolger wird der bisherige Co-Geschäftsführer Ralf Brandstätter. Die Verlautbarung des Aufsichtsrats, Diess solle „mehr Freiraum für seine Aufgaben als Konzernchef“ bekommen, ist eine schmeichelhafte Umschreibung für dessen teilweise Entmachtung.

Wegen der Softwareprobleme beim ID.3 und dem Golf 8 sowie dessen Auslieferungsstopp wurde der Druck aus Belegschaft und Betriebsrat zuletzt immer größer. Eine größere Rolle dürfte aber ein Vorfall in der vergangenen Woche gespielt haben: In einer Managerrunde mit 3400 Führungskräften soll Diess Mitgliedern des Aufsichtsrats vorgeworfen haben, sie hätten Straftaten begangen, indem sie Interna durchsickern ließen. Wie ein Konzernsprecher bestätigte, hat der VW-Chef anschließend beim Aufsichtsrat um Entschuldigung gebeten. Offenbar ohne allzu viel Wirkung: Dem Vernehmen nach sollen die Kontrolleure sogar über den Rauswurf von Diess diskutiert haben. Am Dienstagnachmittag erklärte der Aufsichtsrat dann, er habe die Entschuldigung akzeptiert und werde Diess weiter unterstützen. Den wichtigen Chefposten bei der Kernmarke muss er aber dennoch abgeben.

Wegen des Shitstorms um ein rassistisches Golf-Werbevideo geriet das gesamte Management Kritik. Aber wer hat den verhängnisvollen Spot abgesegnet? Über die Ergebnisse der Untersuchung durch die Konzern-Revision berät jetzt der Konzernvorstand – wann aus der Sitzung etwas nach außen dringt, ist unklar.

Somit geht die emotionale Achterbahnfahrt bei VW weiter. Der Erleichterung über die behobenen Software-Probleme und den Neustart der Auslieferung des Golf 8 folgte prompt die Ernüchterung: Im Konjunkturpaket der Bundesregierung ist keine Autokaufprämie für moderne Verbrenner vorgesehen. Der Konzern hofft nun, dass die Mehrwertsteuersenkung der Branche zumindest etwas Rückenwind gibt.

Derzeit kommt der Wind angesichts einbrechender Absatzzahlen eher von vorn. Volkswagen-Tochter Bentley will 1000 Stellen streichen. Und das ist noch längst nicht alles: Diess hat das Topmanagement auf weiteres Sparen eingestimmt und will die Modellvielfalt auf den Prüfstand stellen.

An anderer Stelle ist der Gegenwind gewollt: Wie weit VW-Kunden mit dem ID.3 künftig fahren können, entscheidet neben der Größe der Batterie auch die Form der Karosserie. WAZ-Redakteur Carsten Bischof hat sich im neuen Windkanal-Effizienzzentrum von VW angeschaut, wie die Aerodynamiker unter Laborbedingungen am Luftwiderstand der Modelle feilen. Simuliert werden können Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde – das ist doppelte Orkanstärke.

Angesichts rückläufiger Infektionszahlen lockert VW die Corona-Bestimmungen im Werk. Die Beschäftigten gewinnen dadurch ein Stück Normalität zurück – und die Hoffnung, dass sich auch außerhalb der Labore der Sturm langsam legt.

Allzeit gute Fahrt,
Ihr Christian Opel 

Der Volkswagen-Überblick:

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