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WAZ-Autopilot - Showdown in der Tarifrunde: Wer zuckt zuerst?

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Liebe Leserinnen und Leser,

bei Volkswagen kommt es heute zum Showdown: seit 14 Uhr läuft die dritte Gesprächsrunde bei den Verhandlungen um einen neuen Haustarifvertrag - und bisher hat noch keine der beiden Seiten geblinzelt. Die IG Metall beharrt trotz Corona-Krise auf ihren Forderungen: 4 Prozent mehr Lohn, eine Ausweitung der Umwandlungsoption der tariflichen Zusatzvergütung in zusätzlich freie Tage auf alle Gewerkschaftsmitglieder und eine Festschreibung der deutschen Ausbildungsplätze. VW hingegen blockt weiter ab und verweist auf die schwierige wirtschaftliche Lage und die eiserne Kostendisziplin.

Dass seitens der Arbeitgeber wenig Entgegenkommen zu erwarten ist, zeigten schon die Verhandlungen auf der Fläche: Das dortige Gegenangebot der Betriebe: Eine Nullrunde in diesem und eine nicht bezifferte Einmalzahlung oder Tabellenerhöhung im nächsten Jahr. Für die Gewerkschaftler ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht. Sollte sich nun auch VW keinen Schritt auf die Gegenseite zubewegen, dürften schon bald Streiks und andere Maßnahmen drohen. Die Friedenspflicht läuft jedenfalls in Kürze ab und Gewerkschaft und Betriebsrat beraten bereits über die Arbeitskampfgestaltung.

Ob Volkswagen sich den Arbeitskampf wirklich leisten kann, ist die spannende Frage. Denn die Corona-Krise und ihre Spätfolgen nagen weiter stark am Geschäft. Die Auslieferungszahlen sind rückläufig, Engpässe bei Computer-Chips verhindern eine reibungslose Produktion, in Wolfsburg fielen dadurch bereits Schichten aus. Einzig der Aufschwung der Elektromobilität schien dadurch bisher unbeeindruckt. Doch auch an dieser Front gibt es jetzt Probleme.

Ausgerechnet wieder im Mittelpunkt: Der Golf 8. Für die stark nachgefragten Hybrid-Versionen des Wolfsburger Modells fehlen Batteriezellen, kritisierte Betriebsratschef Bernd Osterloh jetzt. Das bremst die Produktion und drückt aufs Volumen. Hinzu kommt, dass das Modell weiter Negativschlagzeilen produziert. Diesmal geriet ein fabrikneuer Hybrid-Golf aus bislang unerklärter Ursache während der Fahrt in Brand. Die Insassen sprachen von blauen Blitzen und einer Explosion. VW untersucht die Hintergründe dieses Vorfalls. Da kann man nur hoffen, dass es sich um einen Einzelfall handelt, sonst dürfte die Nachfrage bald zurückgehen, so dass die Sorgen um zu geringe Produktionszahlen sich von alleine lösen.

An der Elektro-Strategie hält VW natürlich dennoch weiter fest. Noch in diesem Jahr soll der ID.5 auf den Markt kommen, wie Markenchef Ralf Brandstätter jetzt verriet. Und in Hamburg bringt man den Car-Sharing-Dienst WeShare an den Start. Durch die Hansestadt rollen dann demnächst 400 ID.3. Mit Ford wird zudem ein weiterer Autobauer bald schon E-Fahrzeuge auf Basis des VW-Baukastens MEB bauen. Die Investitionen in die Plattform zahlen sich also immer mehr aus.

Das Verbrenner und Diesel langsam aber sicher der Vergangenheit angehören, scheint angesichts der Ankündigung einiger Autobauer, ab 2030 nur noch E-Autos zu bauen, mittlerweile klar. Der Diesel-Skandal jedoch beschäftigt den VW-Konzern leider weiter. Obwohl die meisten Vergleiche und Prozesse rund um den Schummel-Motor EA 189 abgeschlossen sind, kommen die Gerichte nicht zur Ruhe. Der Grund: Klägeranwälte haben nun den Nachfolgemotor EA 288 und die Thermofenster-Technik ins Visier genommen - und gehen bei der Mandantenakquise durchaus mit fragwürdigen Methoden vor. Die Empörung bei VW über das Vorgehen der Klägeranwälte wächst. Nachvollziehbar, wünscht man sich doch nichts sehnlicher, als dieses dunkle Kapitel endlich abzuschließen und mit dem neuen Image als nachhaltiger und führender E-Auto-Hersteller in den Sonnenaufgang zu reiten.

Gute Fahrt wünscht Ihnen

Steffen Schmidt

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