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WAZ-Autopilot: Es bleibt spannend

Liebe Leserinnen und Leser, wer nach Stoff für ein Drehbuch oder einen Krimi sucht, findet derzeit
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Liebe Leserinnen und Leser,

wer nach Stoff für ein Drehbuch oder einen Krimi sucht, findet derzeit in Wolfsburg reichlich Inspiration. Der Abhörskandal, der im Sommer bereits für Furore gesorgt und die VW-Welt erschüttert hatte, zieht weitere Kreise. Die neueste Wendung: Der mittlerweile verstorbene Hauptverdächtige war anscheinend nur ein kleineres Rad im Getriebe einer größeren Verschwörung. Das jedenfalls legte er wohl den Ermittlern in seinen Aussagen kurz vor seinem Ableben nahe. Die neue Spur führt die Ermittler nun nach Russland zu einer VW-Top-Managerin. Die Frau leitete damals den Einkauf von Volkswagen und stand dem umstrittenen Zulieferer Prevent, um dessen Ausbootung es in den aufgezeichneten Gesprächen geht, sehr nahe. Zufall? Prevent jedenfalls streitet jede Verbindung ab.

Wirft diese Entwicklung auch ein neues Licht auf den Tod des Hauptverdächtigen und den Brandanschlag auf sein Haus? Sicher ist mittlerweile: Der Mitarbeiter zeigte sich geständig. Die Staatsanwaltschaft geht zwar trotz der ungewöhnlichen Todesart in einem brennenden Auto von Suizid aus, will aber ganz genau hinschauen. Mit einer Untersuchung soll jedwede Manipulation am Auto ausgeschlossen werden. Zu den Akten gelegt werden kann die Affäre also noch lange nicht.

Spannung darf man auch von den Tarifverhandlungen bei Volkswagen erwarten. IG Metall und Betriebsrat haben nun detaillierte Forderungen gestellt: Vier Prozent mehr Lohn und eine Garantie für die Ausbildungsplätze sollen es sein. Durchaus moderat und in normalen Zeiten wohl auch nicht sonderlich problematisch. Doch von normalen Zeiten sind wir 2020 weit entfernt. Die Automobilindustrie befindet sich in der umfassendsten Transformation aller Zeiten, die Corona-Krise hat die Situation nochmal dramatisch verschärft. Die Zuliefererbranche bekommt dies schon mit aller Härte zu spüren. Bestes Beispiel: Bertrandt. Am Standort Tappenbeck muss das Unternehmen bis zu 200 Jobs abbauen, weil die Aufträge von VW ausbleiben.

Und auch an VW selbst geht die Krise natürlich nicht spurlos vorbei. Absatzzahlen sinken wieder, eine zuverlässige Produktionsplanung ist ob der Pandemie kaum noch möglich, und Entspannung ist noch lange nicht in Sicht. Denn die Infektionszahlen gehen auch in den deutschen VW-Werken leider ziemlich steil nach oben - trotz des immer noch umfassenden Hygiene- und Schutzkonzepts. Auf harte Tarifverhandlungen muss man sich also einstellen.

Auch weil eine weitere Forderung zusätzliches Konfliktpotenzial birgt. Die IG Metall will bessere Möglichkeiten zur Umwandlung der tariflichen Sonderzahlung in freie Tage erwirken - allerdings nur für Gewerkschaftsmitglieder. Damit sagt man den sogenannten Trittbrettfahrern den Kampf an, also jenen, die vom erkämpften Erfolg der Metaller profitieren, ohne Beitrag zu zahlen. Der Grund: Die Transformation der Industrie gefährdet auch den hohen Organisationsgrad bei VW. Während die traditionelle Klientel der klassischen Arbeiter kleiner wird, steigt die Zahl der Jobs in den für die Transformation wichtigen Bereichen wie etwa der IT. Diese Beschäftigten treten eher seltener der Gewerkschaft bei. Also sollen Anreize her.

Denn klar ist: Umdrehen wird sich diese Entwicklung nicht mehr. Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch und digital. VW hat dies schon längst erkannt, jetzt zieht sehr zur Freude des Unternehmens auch die Bundesregierung noch mal nach. Die Ergebnisse des Autogipfels sind das von der Volkswagen-Spitze eingeforderte Bekenntnis zur Elektro-Mobilität. Zumindest das sorgt für etwas Sicherheit in unsicheren Zeiten.

Gute Fahrt wünscht Ihnen,

Steffen Schmidt

Der Volkswagen-Überblick:

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