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WAZ-Autopilot: Burgfrieden im Dauerkonflikt

WAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als NewsletterWAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als Newsletter
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Liebe Leserinnen und Leser,

kehrt wieder etwas Ruhe ein bei Volkswagen? Nachdem der Machtkampf nach der erneuten Vertrauensfrage des Konzern-Chefs Herbert Diess kurzzeitig zu eskalieren drohte, hat Diess nun erstmal wieder auf Versöhnung geschaltet. Er wolle seinen Vertrag bis 2023 erfüllen und dabei auch konstruktiv mit Betriebsratschef Bernd Osterloh zusammenarbeiten, ließ er jetzt verlauten.

Der Stein des Anstoßes ist aber nicht beseitigt: Es geht um die grundsätzliche Einstellung des Konzern-Chefs gegenüber der Mitbestimmung bei Volkswagen und seine bisweilen sehr ans amerikanische “Hire an fire”-Prinzip angelehnte Personalpolitik. Jüngstes Opfer scheint E-Mobilitätsvorstand Thomas Ulbrich zu sein. Offiziell heißt es zwar, dass Ulbrich den Konzern aus privaten Gründen verlässt, hinter den Kulissen halten sich aber hartnäckig Gerüchte, dass Diess den Manager loswerden wollte.

Unter der Oberfläche dürfte der Machtkampf bei Volkswagen also weiter brodeln. Denn die Konflikte zwischen Konzernführung und Betriebsrat werden durch die Transformation nur verschäft. Beim Umbau des Konzerns stehen naturgemäß Arbeitsplätze auf dem Spiel – und damit unterschiedliche Interessen gegeneinander. Während der Betriebsrat um sozialverträgliche Lösungen kämpft, sieht sich Diess von der Mitbestimmung im System Wolfsburg blockiert. Ihm geht der Umbau nicht schnell genug.

Dabei hat das Transformationstempo bei Volkswagen es schon jetzt in sich – und es macht auch vor altehrwürdigen Prestige-Projekten nicht halt, wie die Auflösung der Volkswagen Motorsport GmbH zeigt. Nach mehr als 50 Jahren und vielen Erfolgen ist die Abteilung Geschichte. Die Prioritäten liegen jetzt woanders, die Mitarbeiter sollen sich lieber um die Entwicklung der ID-Familie kümmern. Kräfte bündeln heißt die Devise. Denn die Effizienz besonders innerhalb der Kernmarke lässt zu wünschen übrig. Abhilfe soll der Abbau von Komplexität und damit die Fokussierung auf das Wesentliche bringen. Das gilt nicht nur in Bezug auf das Ende der Motorsport-Abteilung, sondern auch hinsichtlich der künftigen Produktpalette und deren Entwicklung.

Was künftig das Wesentliche ausmacht, daran lässt die Konzernführung keinen Zweifel: E-Mobilität und Digitalisierung stehen klar im Fokus. Nicht umsonst steckt VW Milliarden in Projekte wie die Car-Software-Organisation, die Ausbildung neuer Digitalexperten an der Programmierschule „42 Wolfsburg“ und natürlich in die E-Offensive. Der erste Vertreter der vollelektrischen ID-Familie ist bereits seit einigen Monaten auf dem Markt und durchaus vielversprechend gestartet. Wie sich der ID.3 in der Praxis macht, das schildere ich Ihnen in einer neuen WAZ-Serie. Ich habe mir den Stromer privat zugelegt – und merke schon jetzt, dass das „Tanken“ gut geplant sein will. Demnächst werde ich daher wohl öfter mal den Namen eines Top-Terroristen aussprechen: Bin Laden.

Gute Fahrt wünscht Ihnen

Steffen Schmidt

Der Volkswagen-Überblick:

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... und dann ist da noch das:

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