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WAZ-Autopilot - Arbeitskampf bei VW

WAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als NewsletterWAZ-Autopilot - Der VW-Wochenüberblick als Newsletter
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Liebe Leserinnen und Leser,
seit heute Nacht macht die IG Metall ernst. Nachdem die Tarifverhandlungen mit Volkswagen und auch auf der Fläche amtlich festgefahren sind, starteten die Gewerkschafter am Dienstag mit bereits ziemlich flächendeckenden Warnstreiks. Im Wolfsburger Stammwerk machte die Nachtschicht den Anfang und legte eine Stunde früher die Arbeit nieder. Frühschicht und Spätschicht tuen es ihren Kollegen gleich. Auf große Massenkundgebungen muss die Gewerkschaft in Corona-Zeiten zwar verzichten, ein wenig Getöse veranstaltete man zu den Schichtwechseln aber dennoch vor den Werkstoren. Und selbst die Beschäftigten im Home-Office mischen beim Arbeitskampf mit, indem sie sich kurzerhand einfach für eine Stunde ausklinkten und nicht erreichbar waren.
Was es bringt, wird sich noch zeigen müssen. Volkswagen und die Arbeitgeberverbände scheinen jedenfalls fest entschlossen, keine Zugeständnisse zu machen. Von einem Gegenangebot seitens Volkswagens fehlt in den Tarifverhandlungen bisher jede Spur. Angesichts des trotz Corona-Krise starken Milliardengewinns des Konzerns in 2020 wirkt der Frust der Beschäftigten da immer verständlicher.
Vor allem, da sich VW bei den Tarifverhandlungen bisher stets hinter der schwierigen wirtschaftlichen Situation verschanzte. Doch wenn der Konzern bei den Dividenden für die Aktionäre keine Abstriche macht, den Arbeitnehmern, die den Gewinn mit erwirtschaften, aber eine Entgelterhöhung verweigert, wird diese Argumentation tatsächlich immer dünner. Verständnis kann man da von den Arbeitnehmern eher nicht erwarten.
Noch angespannter ist die Situation bei VW-Tochter Sitech. Zwar konnten Volkswagen und der Betriebsrat die Ängste der Mitarbeiter wegen des bevorstehenden Joint Ventures mit der Brose Gruppe noch gemeinsam in Schach halten - immerhin wurde Beschäftigung bis 2029 und umfassende Mitbestimmung ausgehandelt. Doch bei den Tarifverhandlungen ist von Einigkeit zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern nichts zu spüren. Sitech lehnt nicht nur die Forderungen der IG Metall kategorisch ab, sondern will sogar noch die Arbeitszeit erhöhen und beim Thema Ausbildung kräftig Abstriche machen. Auch dort dürfte es also bald kräftig krachen.
Etwas eleganter gehen da die Protagonisten beim großen Zulieferer Bertrandt mit dem schwelenden Konflikt um. Die Forderungen und Vorschläge des Betriebsrates nach einem Zukunftsplan samt Tarifvertrag will das Management zumindest ausgiebig prüfen - verweist aber auch auf eigene Pläne zur Bewältigung der Transformation.
Klar ist: Veränderungen sind in der Zuliefererbranche dringend nötig. Denn wie jeder weiß, gibt VW in unserer Region die Richtung vor. Und dass im Stammwerk mit dem Projekt Trinity ein dramatischer Umbau bevorsteht, daraus macht Marken-Chef Ralf Brandstätter kein Geheimnis. Besonders während der Tarifverhandlungen auf der Fläche, bei denen es der Gewerkschaft primär um Beschäftigungssicherung und Transformationspläne geht, steht also ein gutes Stück Zukunft auf dem Spiel. Die kommenden Wochen werden damit umso spannender.
Gute Fahrt wünscht Ihnen,
Steffen Schmidt

Der Volkswagen-Überblick:

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